Der Subkontinent als Kaffeeproduzent: Indien
Einer der letzten Neuzugänge unseres Rohkaffee-Portfolios war Robusta aus Indien, ursprünglich in kleinster Menge bezogen, als Komponente unseres the Spice Espresso Blend. Lennart von This Side Up hat uns dann mit der South India Coffee Company in Verbindung gebracht, und die wiederum haben uns eingeladen, uns vor Ort Ernte und Produktion anzusehen. Und das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen.
Frühstück in Südindien
Nach der Anreise über Bengalore haben wir uns im Birchwood Retreat einquartiert und mit einem typisch südindischen Frühstück gestärkt: Es gab jeden Tag etwas anderes, wie z.B.
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Idli – gedämpfte, luftige Nockerl aus fermentiertem Reis- und Linsenteig
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Dosa – dünne knusprige Palatschinken aus verschiedenen Teigen
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Uttapam – dickere Dosa-Variante, oft mit Zwiebeln, Tomaten oder Chili
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Vada – frittierte pikante Donuts
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Upma – ein Grießgericht mit Senfkörnern, Curryblättern und Gemüse
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Pongal – cremiger Reis-Linsen-Brei mit Pfeffer und Ghee
Die Gewürzintensität war extrem, aber wir haben uns schnell daran gewöhnt.
Mooleh Manay Estate
Auf Mooleh Manay Estate war die Robusta-Ernte in vollem Gang. Dieses Estate ist das Herz der South India Coffee Company, die von Akshay Dashrath und Komal Sable geführt wird. Komal hat uns gleich unter ihre Fittiche genommen und uns die harte Arbeit nähergebracht.
Die Sirangalli Community
Mit Akshay haben wir dann die Kaffeebauern der Sirangalli Community besucht. Hier helfen alle Bauern zusammen, um das Lot des einen Bauern zu ernten, dessen Kaffeekirschen am reifsten sind. Die Verarbeitung geschieht dann auf Mooleh Manay Estate, sobald der Preis für die Kaffeekirschen ausgehandelt ist.
Kaffeeernte ist anstrengend
Am nächsten Tag durften wir dann selbst erfahren, wie anstrengend das Ernten der Kaffeekirschen ist. Die gehen nämlich nicht nur sehr schwer von der Pflanze, sondern sind auch die Hauptnahrung von Millionen kleiner Ameisen, die sie mit schmerzvollen Bissen gegen den Feind verteidigen. Und dann müssen noch die unreifen Kirschen aussortiert werden. Unsere Ausbeute von einer halben Stunde Ernte war dementsprechend gering.
Erste Sortierung
Die Kirschen werden dann in fließendem Wasser sortiert. Sogenannte Floaters schwimmen im Wasser oben und sind unreif, überreif oder von Insekten angefressen, also keine brauchbare Ausgangsbasis für Specialty Grade Kaffee. Sie werden aber von den Kaffeebauern für den Eigenbedarf weiterverarbeitet und darum in dem orangen Korb gesammelt.
Die guten Kirschen werden in die blauen Körbe gespült, die in die angeschlossene Fermentierstation getragen werden.
Fermentation Tanks
Besonders stolz ist Akshay auf seine Fermentation Tanks, in denen die Kirschen dann mehrere Tage fermentieren. Für einfacheres Handling sind sie in schwenkbare Metallgestelle eingesetzt und werden bis ganz oben angefüllt. In den dicht schließenden Deckeln sind Ventile und Druckanzeiger, die eine Überwachung des Fermentierungsprozesses ohne Öffnen der Fässer ermöglichen.
Trocknen der Kirschen
Sind die Kaffeekirschen ausreichend fermentiert, werden sie entweder auf dem Boden oder auf Raised Beds unter Dach getrocknet. So ist der Trocknungsprozess weniger Witterungsabhängig und damit besser kontrollierbar.
Verkostung
Akshay beschäftigt sich intensiv mit der Genetik der Kaffeepflanze und baut unterschiedlichste Varietäten an, um Resilienz bezüglich Klima, Wasserverbrauch und Schädlinge und natürlich auch Geschmack vergleichen zu können. So habe ich nicht nur Arabicas und Robustas, sondern auch Excelsia verkosten dürfen.
Besonders herausgestochen ist dabei ein Yeast Fermented Robusta vom Vorjahr (die Ernte war ja noch im Gang), dessen karamellig-nussige Aromatik und Süße ich noch nie zuvor so intensiv wahrgenommen habe. Diesen Kaffee muss ich haben, dachte ich. Und der ist so gut, dass er als 100% Robusta angeboten werden muss. Das war sozusagen die Geburtsstunde von the Roar.
Gastfreundliche Aufnahme
Abschließend möchten wir uns bei dieser Gelegenheit nochmals ganz herzlich bei Akshay und Komal für die Möglichkeit bedanken, in so kurzer Zeit so viel über Kaffee in Indien erfahren zu haben. Alles Gute für die Zukunft und danke, das wir ein Teil derselben sein dürfen!














